Scheiß auf Spoiler!

Film-Spoiler

Film-Spoiler

Als Gernegroß-Schriftsteller müssen dir Buch- und Film-Spoiler eigentlich egal sein. Klar gibt es Serien und Filme, die will man unbedingt selbst sehen und erleben – vor allem wie sie enden –, aber wenn dir schon jemand den vermeintlich tollsten Plot der Welt versaut hat, so mache zumindest das Beste draus, und wandle das Objekt der Begierde in ein Objekt der Übung um …

»So schnell wird also aus einer hart arbeitenden Edelhure eine billige Matratze gemacht«, wirft die Stimme in meinem Kopf einen gar zu geistreich bildhaften Vergleich ein.

Ich würde also empfehlen, sich ganz bewusst für jenes gespoilerte Objekt die Zeit zu nehmen, um es zu »erforschen«. Ich persönlich neige manchmal gern dazu, den Witz noch auf die Spitze zu treiben (denn das einzig wahre Lernen ist bekanntermaßen mit Spaß zu definieren):

Im Vorfeld – also bevor ich mich ganz bewusst (und ggf. auch ohne vorangehenden Spoiler) einem Buch/einem Film/einer Serie widme – lese ich mir einfach die komplette Handlung schon mal durch. Meist eine kurze Handlungszusammenfassung, beispielsweise auf hilfreichen Seiten wie Wikipedia oder spezifischeren Quellen zu finden. Somit kenne ich die Grundidee der Story (und bestenfalls jetzt schon, worauf der Autor hinauswill – sehr hilfreich!), und kann mich beim »echten« Lesen/Schauen schon viel besser auf Details wie Handlungsaufbau, Charakterentwicklung, Haupt- und Neben-Stories, schlechte Wortwitze usw. konzentrieren.

Was bringt’s?

Geübtere Spaßvögel erkennen bei dieser »neuen Art« des Filmschauens & Serienjunkens eventuell auch viel leichter mögliche Widersprüchlichkeiten und unmögliche Ironien. Oder werden inspiriert zu eigenen, alternativen Handlungsverläufen und Wendungen, zu anderen Geschicken und Dialogen. Generell werden auch kognitive Fähigkeiten blendend trainiert, wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Logik und Gedächtnis.

Für alle, die meinem Gedanken etwas abgewinnen konnten, möchte ich nochmal eine Anleitung mitgeben:

Freiwillige Übung

Überlege dir, welchen Film (alt oder neu) du schon länger ansehen willst, aber schon eine Weile lang aufschiebst (ich lasse Bücher/Romane und Spielfilm-Serien hier mal außen vor, da sie zu diesem fixen Übungszweck vielleicht zu umfangreich sind). Der Grund für’s Aufschieben wird wohl sehr wahrscheinlich der sein, dass dir der Film nicht wirklich wichtig genug ist – also wird es für ihn auch nicht allzu schade sein, gespoilert zu werden. Und wenn du dir das doch gerne anders einredest, dann nimm einen anderen – es gibt hunderttausende!

1.) Wir wollen uns also zwingen, bewusst zu spoilern (natürlich nur für uns selbst; du solltest bitte nie für andere spoilern). Wenn dir eh schon einfällt, von welchem Film du schon ungewollt viel weißt, wird dir dieser Schritt einfacher fallen.

2.) Jetzt such‘ dir auf Wiki leaks Pedia oder anderen Seiten eine kurze, aber dennoch einigermaßen umfassende Handlungsbeschreibung heraus, und lese sie aufmerksam durch. Du musst dir übrigens hier nicht schon jeden einzelnen Namen und alle Orte und weiß-ich-was merken. Lies dir einfach die Handlung in Ruhe durch, als seist du der wichtigste Mensch, dem man diese Bratwurst verkaufen will.

3.) Enjoy the show (heißt, schau dir den Film an)! Aber bleib dennoch wach- und achtsam, zu jeder Spielminute, wenn möglich. Denn im Spaß steckt auch meist die richtige (und wunderbare) Arbeit: Solltest du diese Übung tatsächlich mit einem mehrteiligen Film, oder gar einer umfangreicheren Serie machen, wirst du dir nämlich dafür danken, wenn du längere Unterbrechungen zwischen den Folgen einlegst, und Erinnerungslücken befürchtest. Aufmerksamkeit ist also (generell) sehr empfehlenswert.

Wenn du (dennoch) Schwierigkeiten haben solltest, alle wichtigen Charaktere, ihre Hintergründe und Motive zu merken und auseinander zu halten, dann konzentriere dich einfach nur auf den allgemeinen Handlungsverlauf bzw. die Hauptfigur.

Viel Spaß mit dieser Übung – es ist zugegeben eine meiner Besten (vermutlich weil gemütlichsten)!

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