Der »IchWeißNichtMehrWeiter-Absatz«-Trick

Schreibblockade überwinden

Schreibblockade überwinden

Ich möchte (m)eine Denk- und SchreibBlockade überwinden … Kennst du das? – Du schreibst eine Szene fertig, und bist eigentlich gut in Fahrt. Du würdest gern gleich mit der nächsten weiterschreiben. Doch … irgendwie weißt du nicht wie.

Wie zum Teufel leite ich die nächste Szene ein (oder vielleicht den nächsten Absatz) – vor diesem Problem stehe ich nur zu gern, nur zu oft. Doch ich eignete mir im Laufe der Zeit einige Schreib-Tricks an, die mich aus solchen Situationen ganz gut herausbekommen.

Wenn man mal seine ZwischenDenZeilen-Augen aufmacht (oder -Brille aufsetzt), begegnen einem solche Tricks auch in jedem guten Buch – vor allem in den Meisterwerken.

Leeet’s pick …

Aus einem Meisterwerk möchte ich heute zitieren und meinen sogenannten »IchWeißNichtMehrWeiter-Absatz«-Trick erläutern. Vergleichen wir hierzu die »Unendliche Geschichte« von Michael Ende, S.77 (Thienemann-Verlag, 2014), Absatz »Weißer Glücksdrache«. Alternativ schauLesen wir uns das folgende Bild an (und konzentrieren uns auf die markierte Stelle):

Schreibblockade überwinden

Wer das ganze Buch gelesen hat, erinnert sich vielleicht noch, wie Atréju in der Szene zuvor (bzw. das gesamte Kapitel) durch die felsige Wüste der Toten Berge geirrt war.

Was könnte (zwischen den Zeilen) passiert sein?

Vielleicht könnte sich Michael Ende ja hier gedacht haben: »Wie könnte es jetzt weiter gehen?«; und er könnte einen Schreib-Trick, wie oben bezeichnet, angewendet haben (auch wenn es möglicherweise gar nicht zutrifft, ist ja alles subjektiv – #SchreibSoJuristischKorrektDuBist). Jedenfalls bringt er den Zufall ins Spiel (– denn Atréju gelangt gerade ans Ende »einer engen Höhle«, die sehr lang, und wie eine »Röhre durch ein Felsmassiv führte« {S.76}, als zufällig ein Beben dieses erschüttert –) . Mit anderen Worten erscheint hier also »zufällig« (das Wort klingt oft härter als es eigentlich ist) an der Stelle, wo Atréju seinen Kopf ausstreckt, ein riesiges Spinnennetz, in das sich just ein großer weißer Drache verfangen hat.

Der Autor umschreibt übrigens (rein subjektiv gesehen) zwischen den Zeilen sehr schön und augenzwinkernd, wie man sich für derlei »schreib-chirurgische Kunstgriffe« oft zu gern abmüht, um sich recht-zu-fertigen (– »schlug mit Schwanz und Klauen um sich und verstrickte sich doch nur immer rettungsloser.« {S.77}).

Glaubwürdiges und Kreatives Schreiben

Immerhin bringt er aber damit einen ganzen Absatz zustande, schafft den Raum für die nächste Szene, und kann eine neue (Neben- oder Haupt-)Figur einbringen. Und er nennt diesen Kunstgriff metaphorisch, würdig und witzig »Glücksdrache«.
Ooo-keee, ich weiß,das geht jetzt zu weit – der Begriff »Glücksdrache« bezieht sich selbstredend in erster Instanz auf Fuchurs entzückende Eigenschaft … aber mir lag auch viel daran, nicht explizit darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei eben um den berühmten Fuchur handelt, für Leutchen, die das Buch (oder die Verfilmung) noch nicht gelesen haben, nicht wahr? Zu spät.

 

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