Malerische Szenenbeschreibungen leicht gemacht

Umgebung beschreiben

Landschaft und Umgebung beschreiben

Wie bekomme ich eine bildreiche Umgebungs-/Landschafts- oder Szenen-Beschreibung hin?

Ich bevorzuge für diese Problemstellung die feinste aller Arten, und zwar die effiziente – sollte es denn auch ein dynamischer Absatz werden. Wollte man unbedingt und explizit auf die Ausgesprochenheit der schönen Landschaft hinweisen, wofür man auch gern mal bereit ist einige Seiten dafür aufzubringen, so empfehle ich Dir spontan ein Werk von Edgar Allan Poe zu lesen – »Landors Landhaus«, 13 Seiten (aus: »Edgar Allan Poe«, Edition Lempertz, 2004 – online auch hier gefunden) – um mal zu sehen, was da so möglich ist (ich behaupte nicht, dass ich das drauf hätte, aber ich denke halt manchmal gern in Extremen).

Die meisten Landschafts- und Szenen-Beschreibungen in einem Buch sind aber überwiegend dynamisch, sonst würde dein Buch ein vielfaches dicker ausfallen, und Du deine Leser schon sehr früh einschläfern.

Der dynamischste Weg alsdann wäre doch der, den auch das menschliche Aug‘ wählte …

… Oder das metaphorische Auge im Kopf. Wie dem auch sei, es führt zum selben Ziel (und ist aber gleichermaßen chaotisch). Darum rate ich gern, grob gesagt – und immer relativ betrachtet –, sich drei bis sieben Schlagbegriffe (schöner wäre zu sagen: Sinneseindrücke) zu überlegen, die man des Lesers Augen zu servieren gedenkt. Also anders gedacht: stell‘ dir eine Hand voll Sachen vor, die du erscheinen lassen willst, damit sich der Leser – von deinen Worten geführt – von einem Bild zum nächsten sehen kann.

Ich versuch’s mal:

Der emsige Schreiber saß nicht auf seiner durchgelegenen Couch, wie sonst immer, sondern an seinem Schreibtisch. Das fahl-violette Licht der Abenddämmerung und die müden, konturlosen Schatten seiner zahlreichen Palmen, Blumen und Klettergewächse, die von diesem an die Wände geworfen wurden, verwandelten sein Arbeitszimmer in einen trübsinnigen Gedankenraum. Zigarettenrauch schlängelte sich von seinem gesenkten Kopf in doppelhelixartigen Linien geschmeidig und gediegen zur Zimmerdecke hoch; zuerst seidenartig und deutlich wie Pinselstriche, einen Augenblick später bereits desintegriert und verweht. Von dort oben wiederum hing an einem mickrigen Stück Draht eine in die lose Fassung gedrehte Glühbirne; sie sprang plötzlich an.

Analyse

Wir haben hier u.a. folgende Schlagbegriffe und Phrasen: »Couch«, »Schreibtisch«, »Licht der Abenddämmerung«, »Schatten [der] Palmen«, »Wand«,  »Zigarettenrauch«, »[Schreibers] Kopf«, usw. Dem geistigen Auge ist also einiges geboten. Stellst du noch jeweils ein paar passende Adjektive davor, wird’s noch malerischer; Bringst du noch eine gewisse Grundstimmung mit den dargestellten Objekten in Verbindung, ist das Leben einfach nur noch schön (… sorry, ich weiche ab).

Man kann wahlweise oder ergänzend natürlich auch noch andere Sinne ins Spiel bringen, um die Situation noch lebhafter zu gestalten:

  • Wie riecht es in der Butze des Schreibers? (Zigarettenrauch? Oder doch nach stark duftenden Oma-Pflanzen?)
  • Welche Geräusche lassen sich vernehmen? (Oder ist es vielleicht sogar so still, dass man förmlich den Elektrosmog der alten Glühbirne sirren und flirren hört?)
  • You get the point!

Ein netter Tipp ist noch, auch gerne anzuführen, wo man gerade nicht ist (sei es, weil erwartet, oder gewohnt, oder unmöglich, etc.), und was man stattdessen sieht.

Summarum

Ein Absatz, die Szene ist gemalt, der Leser kann es sich vorstellen, und du bist effizient, da es gerade einmal ein paar Minuten beansprucht hat. Dynamischer geht’s nicht. Denn jetzt kommt das Tolle: Wer weiß schon, ob ich diese Szene gerade gut gebrauchen konnte, weil es das ist, was ich gerade tat bzw. was gerade passierte und ich es nur beschreiben musste, oder ob ich einfach meiner Fantasie freien Lauf ließ, da ich in Wahrheit:

  • zwischen zwei Palmen
  • von warmen Sonnenstrahlen beschienen
  • in einer festen, aber flauschigen Hängematte liegend
  • dem Vogelgezwitscher lausche
  • und den Duft von Kokosmilch in der Nase verspüre

… oder ob ich nur ein ausgesprochen gutes Erinnerungsvermögen habe – es führt zum selben Ziel.

 

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